ZukunftMensch

Dürfen wir unsere Evolution gestalten?

WANN /

Oktober 2019 bis April 2020

WO /

Museum für Naturkunde Berlin 

Zum Hintergrund von ZukunftMensch

Kürzlich entdeckte Werkzeuge zur Einführung gezielter Veränderungen im Genom haben in der wissenschaftlichen Gemeinschaft die Diskussion über eine Revolution in der Gentechnologie ausgelöst. Die CRISPR/Cas-Methode zieht die meiste Aufmerksamkeit auf sich, indem sie eine im Vergleich zu vorangegangenen Verfahren einfachere und präzisere, kostengünstigere und schnellere Modifikation von Genen in einem bisher unbekannten Ausmaß ermöglich. Da diese so genannte molekulare Schere in nahezu allen Organismen eingesetzt werden kann, findet die Genomeditierung in verschiedenen Bereichen, z.B. in der Landwirtschaft, in der Viehzucht oder Arzneimittelentwicklung, Anwendung.

 

Im Hinblick auf die zukünftige Nutzung der Genomeditierung wird das größte Potenzial in den klinischen Anwendungen gesehen. Jüngste Experimente deuten auf neue Ansätze zur Behandlung von genetischen Störungen (z.B. Duchenne-Muskeldystrophie, Hämophilie), infektiösen Erkrankungen (z.B. HIV) oder Krebs hin. Diese Ansätze für die sogenannte somatische Gentherapie (Behandlungen, die nur die Körperzelle eines bestimmten Patienten betreffen) werden von der Gesellschaft, von Regulierungsbehörden und Wissenschaftlern weithin begrüßt.

 

Mittels dieser Genschere ist aber auch die Modifikation von menschlichen Embryonen (oder Keim-, Ei-, Spermazellen) möglich, die sogenannte Keimbahnintervention. Dieser Einsatz ist aus moralischen Gründen stark umstritten: Denn genetische Veränderungen an Embryonen betreffen nicht nur die jeweiligen Nachkommen, die diesen Verfahren nicht zustimmen können. Sie können auch an zukünftige Generationen weitergegeben werden und stellen damit einen zielgerichteten Eingriff  in die menschliche Evolution dar. Zudem würden Keimbahneingriffe nicht nur die Ausrottung bestimmter Krankheiten ermöglichen, sondern auch nicht-therapeutische Anwendungen (z.B. "genetische Verbesserung").

Keimbahneingriffe galten lange Zeit als eine der letzten roten Linien in den Wissenschaften, die nicht überschritten werden darf und in den meisten Ländern verboten sind. 2018 überraschte ein Wissenschaftler aus China die Weltgemeinschaft mit der Nachricht, er verantworte die Geburt zweier Mädchen, deren Erbgut er verändert habe. In einer Stellungnahme erklärte der Deutsche Ethikrat 2019 eine solche Veränderung von Embryonen als noch zu risikoreich – er erachtet Keimbahneingriffe aber nicht als prinzipielles Tabu: Denn zukünftig Eingriffe könnten einmal schwere Erbkrankheiten verhindern.

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